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Vom Loben und Stolzsein

Last updated on 21. Januar 2021

Kennt ihr solche Situationen, in denen man von anderen unglaublich gelobt wird, so sehr gelobt wird, dass es einem peinlich wird? Aber man weiß, wenn man jetzt sagen würde „Oh Danke! Ja, ich weiß, ich kann das echt gut…“ dass der „Lober“ dann mit offenem Mund stehenbleiben und dem nächsten, der da kommt, sagen würde „Hast du das gerade gehört… Wie eingebildet muss man sein?!“

Schon den ganzen Morgen unterhalten wir uns über Stärken und blinde Flecken. Über gesundes Selbstbewusstsein und das Überzeugtsein von den eigenen Stärken – ohne überheblich zu sein. Darüber, wie Menschen, die einem sehr nahe stehen, unsere Stärken anders wahrnehmen, als Fremde es tun – Fremde, die keine Brille tragen. Wir sprechen darüber, wie wichtig es doch ist, seinen Stärken Raum zu geben und wie man auch eine Verantwortung hat, für den Umgang damit… sofern man die Möglichkeit hat, sich an ihnen zu orientieren. Darüber, wie man sich sehr wohl freuen darf (und auch muss) an Erfolgserlebnissen. An Erfolgserlebnissen, die nicht nur im herkömmlichen Sinne von Erfolg zu verstehen sind.

Und da erinnere ich mich an Jonas Lied. Ich erinnere mich an das, was mir damals durch den Kopf ging, als Jona vor mir stand, ein Blatt in der Hand „Mama, das ist mein Lied. Ich hab es geschrieben. Kannst du mir helfen, es besser zu machen.“ Das war nicht einfach nur ein Lied. Er hatte es nicht geschrieben, um zu zeigen, was er kann. Das war der Inhalt seiner Seele. Kann man an sowas etwas besser machen – wenn einer seine Seele ausleert? Darf man daran überhaupt was besser machen?

Und so kam es zum Blogeintrag vom Mai 2017:

„Kunst. Das ist etwas Heilsames. Ein Kunstwerk zu erschaffen, bedeutet mehr als nur zu zeigen, was man drauf hat; mehr als Leute zu beeindrucken. Denn irgendwie gibt es da kein Gut und Schlecht. Denn Kunst gibt einem Menschen Raum er selbst zu sein – zum Ausdruck zu bringen, wer er ist. Kunst gibt den Raum zufrieden zu sein, mit dem, was man geschaffen hat und wer man ist. Etwas, das von dir kommt, das du anschaust und sagst ‚Das hab ich gemacht!‘

Er hat so viel durchgemacht das vergangene Jahr. Ich würde sagen ‚Ich bin stolz auf ihn.‘ Aber ich hab das in der Hinsicht noch nie von ihm selbst gehört. Neulich hat er mir ein Blatt in die Hand gedrückt. Ein Liedtext, den er geschrieben hat. Er bat mich, ihm zu helfen, das Lied noch zu verbessern. Ich hab mich ans Klavier gesetzt und eine einfache Melodie gespielt, auf die der Text passt. Und dann haben wir SEIN Lied gesungen. Als es zu Ende war, kam er zu mir, gab mir eine Umarmung, ein riesen Lächeln auf dem Gesicht, und meinte ‚Ich bin so stolz auf mich!’“

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Julia ist Jahrgang 1981. Sie ist eigentlich Übersetzerin – singt aber am liebsten… und besser als sie übersetzt. 2011 wurde bei ihrem ältesten Sohn Jona ein Hirntumor, genauer bezeichnet als Medulloblastom, festgestellt. Seit seinem ersten Rückfall schreibt sie ihre Gedanken in Form eines Blogs nieder. Sie singt auf Hochzeiten und überall sonst, wo man Lieder braucht. Doch am liebsten nimmt sie Menschen durch ihre eigenen Lieder mit – mit in ihre eigene Welt. Sie bäckt so ungern Kuchen, dass, wenn sie’s doch einfach mal tut, der Rest der Familie fragt, wer denn Geburtstag hat. Sie wünscht sich, sie könnte besser schwimmen, ist aber doch nicht ehrgeizig genug, weil sie sich eigentlich mit Boden unter den Füßen am wohlsten fühlt. Und es geht ihr wie so vielen Müttern auf dieser Welt: Sie ist einfach gern allein – und ist sie’s dann tatsächlich, fühlt sie sich doch, als würde ihr ein Bein fehlen. Mit ihrem Mann, Jonas drei Brüdern und dessen Hund Mia lebt sie in Ravensburg.